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Famulus 40 - RT325
 

Auf dieser Seite möchte ich über die Restauration meines Famulus 40 RT325 berichten. Nachdem wir ja den 36er wieder ganz gut hinbekommen haben und ich mich seit 2005 sehr intensiv mit dem Thema "Famulus Traktoren aus dem Schlepperwerk Nordhausen" auseinander gesetzt habe, war es ein für mich logischer Schritt mir noch einen Famulus in RT Ausführung zuzulegen. Was ich zu der Zeit allerdings nicht wusste war die Tatsache, wie schwierig es wird einen kompletten RT im Norden unserer Republik zu bekommen.  Der RT sollte auch noch technisch soweit in Ordnung sein, dass keine RT typischen Baugruppen defekt oder kurz davor sind. So habe ich mir einige RTs angesehen und bei denen war leider immer die Lenkung nicht mehr im guten Zustand, oder aber es fehlten  Baugruppen wie z.B. die Bremsanlage oder das sturzsichere Wetterdach, oder aber die Heckhydraulik war vom RS14 und nicht vom RT. Sicherlich bekommt man alle Teile mit Geduld zusammen getragen, aber ich wollte einen kompletten RT. So ergab es sich eines Tages Anfang 2008, dass ich in unserer Tageszeitung eine Annonce las "verkaufe RT325". Ich  habe den Verkäufer angerufen und dieser teilte mir mit, dass der RT aus der Anzeige schon verkauft sei. Schade dachte ich so im Stillen, denn angesehen hätte ich mir den auf jeden Fall. So kamen wir beide ins Gespräch am Telefon und der Verkäufer sagte mir dann irgendwann, dass er noch einen weiteren RT325 zu verkaufen hätte. Da war ich erst einmal etwas still. Ich weiß nicht warum er mir diese Information gab, es kann daran gelegen haben, dass ich ihm meinen Heimatort genannt hatte. Auf einmal erzählte er mir, dass der RT325 in seiner Scheune auch aus meiner Gegend kommt. Neugierig frage ich nach woher er denn genau kommt und er sagte mir dass der Besitzer aus Rehna stammte. Da grübelte ich eine Weile und ich fragte ihn ob es der RT325 sei von meinem Bekannten. Diese Frage beantwortete er mit einem deutlichen JA!


Um euch jetzt zu erklären was diesen RT325 so interessant für mich machte muss ich etwas weiter ausholen. Wie ihr ja bereits von den anderen Seiten meiner Webseite wisst, ist mein Onkel Kalli der Hauptgrund warum ich mich für den Famulus begeistere. Und einer von Kallis besten Freunden hatte damals diesen RT325 in seinem Besitzt. Es geht sogar noch weiter, dass wir bei uns in der Werkstatt genau diesen RT325 zur Reparatur stehen hatten und ihm ca. 1994 noch eine komplett neue Kupplung samt neuem Anlasserkranz spendiert haben. Des Weiteren sollte der RT325 noch gereinigt und von Kalli neu lackiert werden. Wir haben nach dem Kupplungsumbau mit diesem RT noch den Stumpf einer großen Birke aus dem Erdreich gerissen. Und dann kam das Jahr 1995 und der Bekannte hatte den RT325 aus heiterem Himmel an einen Traktorsammler aus der Nähe von Rostock verkauft. Ich kann mich noch an den Tag der Abholung erinnern und dass wir die Luft aus den Hinterrädern ablassen mussten damit der RT auf dem Pritschen LKW passte. Dann war der RT325 für uns verschwunden. Mein Onkel hat sich bis heute darüber geärgert, dass er 1. seinen Famulus RS14/30L verkauft hatte und was ihn noch mehr gewurmt hat, dass er 2. nicht den RT325 abgekauft hat. Und wie der Zufall es nun wollte bin ich dem RT325, den ich auch schon seit Kindertagen kenne auf die Spur gekommen. Mit diesen Informationen versorgt musste ich mir den RT ansehen fahren. Der Verkäufer sagte nur ganz trocken zu mir, "der steht seit 1995 in der Ecke meiner großem Scheune, ich wollte den immer Mal fertig machen, habe ihn aber nie mehr bewegt".


Wir vereinbarten, dass ich mir den RT ansehen komme und solange wollte er ihn auch stehen lassen. Neugierig hinterfragte ich bei Kalli wie es so um den alten RT damals stand. Denn schließlich war Kalli derjenige, der den Schlepper technisch am besten kannte. Er sagte mir dann, dass der RT damals im Jahr 1965 sehr spät ausgeliefert wurde. Das war zu einer Zeit, als die LPGs die Famulus Schlepper nicht mehr so abgenommen haben und so kam es, dass der RT an die Konsumgenossenschaft Bad Doberan verkauft wurde. Dort wurde er lediglich für Transportaufgaben eingesetzt und musste einen Verkaufsanhänger in den umliegenden Dörfern ziehen. Da Kalli den KFZ Brief kannte wusste er auch, dass der RT dann im Jahr 1968 an den Tankwart in Bad Doberan verkauft wurde. Welche Aufgaben hier auf ihn warteten kann ich leider nicht mehr nachvollziehen. Ich denke aber dass er es auch dort nicht so schlecht hatte, wenn man mal überlegt was den Famulus Traktoren auf den LPG-Höfen so alles "angetan" wurde. 1980 kaufte mein Bekannter dann den RT und holte ihn nach Rehna, wo er auf dem eigenen Hof für die Heu- und Strohernte zuständig war und das Gemeindeland bewirtschaften durfte. So ging es bis 1994, da kam der RT zu uns nach Hause und wir überholten wie bereits geschrieben die Kupplungsanlage bevor er dann auf Jahre hinaus verschwand. Technisch war Kalli der Meinung, dass der wassergekühlte Motor schon einmal getauscht wurde. Der Rest dieses Schleppers sollte, soweit Kalli das noch beurteilen konnte, im guten originalen Zustand sein. Und so kam der Tag an dem ich mich auf den Weg machte um mir den 40er mal wieder anzusehen. Die Wegbeschreibung des Verkäufers war sehr gut und ich konnte schon von

weitem erkennen wo ich hinfahren muss. Der Hof war voller DDR Technik, angefangen von verschiedensten Anhängern über Ackergeräte und natürlich einige Schlepper. Leider konnte er nicht alles unter stellen und so mussten halt auch einige Traktoren draußen stehen. So erging es z.B. einem RS04/30, einigen RS09 und GT124, dazu ein paar "Westschlepper", eine Brockenhexe usw. In der Scheune standen dann noch ein paar Pioniere teilweise mit Benzinanlassung - recht selten wie ich meine, ein Dudra D4K, MTS50, weitere Brockenhexen und Aktivisten und in der Ecke auch ein roter RT325. Schnell gingen wir zum Famulus rüber und ich konnte mir den genau ansehen. Sofort erkannte ich das veränderte Wetterdach mit dem Blech oben drauf, es musste der richtige RT sein. Die Räder vorn waren platt, hinten fehlte ein Hinterrad komplett aber sonst war alles dran. Was mich sofort begeisterte waren die Bedienungselemente wie Schaltkulisse, Brems- und Kupplungspedal, oder auch die RT Spindellenkung. An diesem Schlepper sind genau diese Baugruppen nicht so ausgeschlagen und ausgearbeitet wie bei den meisten anderen. Beim Lenken konnte ich zwar sehen das der Herzbolzen Luft hat, aber diese Teile kann man überholen. Dafür stimmte aber der Rest und dass ich hier eine Grundüberholung der ganzen Maschine machen würde war mir schon vorher klar, egal welchen RT ich mir geholt hätte. So wurden der Verkäufer und ich uns letztendlich auch schnell einig. Ich muss dazu sagen, dass der RT vergleichbar mit anderen im Internet etwas teurer war, aber ich hätte keinen vergleichbaren RT mit dem Hintergrundwissen kaufen können. Dazu kommt dass die besondere Vergangenheit des Schleppers ihn für mich sehr interessant machte.

 

So sah der Famulus 40 RT325 aus als ich ihn 26.04.2008 geholt habe

Am 26.04.2008, es war ein Samstag, war es dann so weit und mein Freund Jens und ich haben uns auf den Weg Richtung Rostock gemacht um den Famulus abzuholen. Der Verkäufer hat uns den RT auf den Trailer geschoben und wir sind schon kurz nach 12 Uhr wieder daheim gewesen. Der RT verschwand nun wieder in einem Schuppen, wo er dann bis zum 06.10.2008 auf weitere Aktivitäten warten musste. An diesem Tag haben wir uns am späten Nachmittag entschieden den RT aus dem Schuppen zu holen und ihn mit dem RS14/36L versucht anzuschleppen.

 

Am 06.10.2008 wurde der RT dann aus dem Schuppen gezogen

Da wir ja wussten, dass da ein neuer Motor verbaut werden wird, war es uns ziemlich egal was in den nächsten Minuten passiert. Gesagt - getan und wir haben den RT mit einer Schleppstange am 36er auf die Straße vor meiner Werkstatt gezogen. Dort schauten wir noch fix ob genug Öl und Wasser auf dem Motor ist und dann sollte es losgehen. Kalli war der RT Fahrer und mein Bruder musste den 36er steuern. Leider habe ich von dem Moment des Anschleppens nur ganz wenige Bilder. Das lag daran, dass der RT nach all den Jahren bereits nach wenigen Metern angesprungen ist. Nachdem der Motor dann eigenständig lief dreht Kalli noch ein paar Runden ums Gehöft. Ich muss sagen, der Motorklang war echt OK und er lief nach wenigen Augenblicken sofort rauchfrei. Nur eines wollte er uns nicht so recht zeigen - Öldruck. Ich weiß nicht ob es an der langen Standzeit lag, oder ob der Motor schon so verdreckt war vom alten Öl. Dann haben wir den Motor lieber abgestellt, denn unser Ziel für diesen Tag war erreicht. Wir wollten den Traktor anschleppen und schauen ob das Getriebe und die Lenkung noch einwandfrei funktionieren. Dann wurde noch das Kühlwasser abgelassen und der RT325 in die Werkstatt geschoben wo er in den nächsten Wochen und Monaten zerlegt werden sollte. 

 

Der RT325 ist nach ca. 15m und über 10 Jahren Stillstand wieder zum Leben erweckt worden

Auch hier sind wieder arbeitsbedingt einige Wochen ins Land gegangen, aber dann fingen wir mit der Demontage an. Am 30.10.2008 wurde als erstes die Motorhaube abgeschraubt. Dann sollte das Wetterdach abgenommen werden, dazu mussten wir alle Bolzen vom Wetterdach abflexen und teilweise aufmeißeln, da die Schrauben nach all den Jahren stark festgerostet waren. Um das Wetterdach vom RT herunter in den Schuppen zu bekommen mussten mir ein paar Freunde helfen. Zu zweit konnten wir das nicht bewältigen. Danach habe ich das Fahrgestell und den Motor von allen Anbauteilen befreit, dazu zählten der Tank samt Halter und Armaturenbrett. Die Batteriebleche und der gesamte Kabelbaum. Was mich an diesem Schlepper bei der Demontage besonders erfreute, bis auf die Schrauben und Muttern vom Wetterdach sind alle anderen Gewinde gut erhalten und auch sehr gut zu demontieren gewesen. Wenn man überlegt, dass dieser Schlepper nie in einer Generalreparatur war und sich bis auf den Motor und die Vorderachse fast noch in dem Zustand befindet, also so wie er mal in Nordhausen aus dem Werk gefahren wurde, spricht es doch wieder einmal für die sehr gute Qualität dieses Erzeugnisses.

 

Demontagearbeiten zwischen 10/2008 und 04/2009 

Als nächstes haben wir die Vorderkarre vom Motor getrennt und nach vorn gefahren. Wie ich ja schon geschrieben habe, ist mir der Herzbolzen schon negativ aufgefallen. Aus diesem Grund haben wir den Herzbolzen der Vorderachse gleich zerlegt und uns die Buchsen und den Bolzen im Detail angesehen. Was soll ich sagen - der ist hin! Was noch viel schlimmer war, die Buchsen haben sich in den Vorderbock eingearbeitet. Schaut euch die Bilder an, da sieht man das Problem. Tja, um damit wieder fahren zu können sind entweder Übermaßbuchsen notwendig und man muss den Vorderbock ausdrehen lassen, oder man nimmt neue Standardbuchsen und einen guten Vorderbock. Und genauso werden wir es machen. Ich habe noch einen bereits aufgeschweißten Herzbolzen, der wird passend für meine neuen Buchsen abgedreht und kommt mit einer anderen Vorderachse in einen anderen besseren Vorderbock. Dann sollte alles wieder stramm zusammenpassen. Aber dazu später mehr.

Demontagearbeiten zwischen 10/2008 und 04/2009

Danach haben wir den wassergekühlten Motor ausgebaut und von den Anbauteilen befreit, die wir später an den neuen Motor wieder anbauen müssen. Der Motor selber wird bei mir wohl in der Scheune als Ersatzteilspender seine nächsten Jahre verbringen. Nachdem nun der Motor raus war machten wir uns an die Demontage der Lenkungsglocke. Dazu öffneten wir das Getriebe oberhalb und entfernten die komplette Schaltkulisse und hinten den Kraftheber mit Gußgehäuse. Dies war notwendig um an die Narbenkupplung zu kommen, damit wir die Hohlwelle und somit das Lenkgetriebe vom Getriebe trennen können. Dieses gestaltete sich recht schwierig, da die Nabenkupplung nicht von der Kupplungswelle runter wollte. Als wir diese Herausforderung gemeistert hatten ging es recht zügig voran. Das Lenkgetriebe wurde zur Seite gestellt und soll später eine Überholung erfahren.

Demontagearbeiten zwischen 10/2008 und 04/2009

Wir demontierten die kompletten Achstrichter, entfernten die Ausgleichwellen und das Ausgleichgetriebe mit dem Tellerrad. Des Weiteren wurden die Handbremswelle und alle Sicht bzw. Reinigungsdeckel vom Getriebe abgeschraubt. An einem Samstagnachmittag, es war der 30.05.2009 haben wir uns dann an die noch verbliebenen Wellen im RT Getriebe gemacht. Dank der Unterstützung meiner Freunde Jens und Sven, sowie meinem Bruder Steffen haben wir diese Arbeiten ebenfalls schnell abschließen können. Da ich ja bei diesem Getriebe so viele Neuteile wie möglich verbauten wollte, haben wir die demontierten Wellen zu Seite gelegt, obwohl man die mit Sicherheit noch über Jahrzehnte im Privateinsatz hätte fahren können. Mal sehen wo ich die mal verbaue. Ich hatte mir fest in den Kopf gesetzt nicht nur alle Simmerringe, sondern auch alle Lager durch neue zu ersetzen.

Getriebedemontagearbeiten am 30.05.2009

Da das Getriebegehäuse ja nun ganz leer war und wir es bereits grob mit Diesel gereinigt hatten aber mit dem Ergebnis unzufrieden waren, entschlossen wir uns das Gehäuse zu einem befreundeten Bauern zu schaffen. Dort haben wir es am 14.09.2009 mit einem Heißkärcher richtig auswaschen können. Ihr glaubt nicht, was da noch so aus den Ecken an Ölschlamm und Dreck rausgekommen ist. Gleiches haben wir dann einen Tag später mit dem Lenkgetriebe gemacht und es ebenfalls ordentlich gereinigt. Nach dieser Kur habe ich das Getriebegehäuse von außen noch mit der Flex und einem Drahtaufsatz schön abgeschliffen und mit Bremsenreiniger abgespült. Daraufhin wurden die Lagersitze und Gewinde mit Öl eingesprüht und vor Korrosion geschützt. Und wieder vergingen einige Wochen bevor es merklich weiterging.

Reinigung des RT Getriebes mit einem Heißkärcher - Danke Jens für deine Hilfe!

so sieht das Getriebe vom Famulus doch super aus

Die Getriebeüberholung

Da einige Nadellager bzw. Walzenkränze so nur schwer bestellbar waren und wir sie eh durch andere Größen mit besseren Eigenschaften austauschen wollten, waren auch die entsprechenden Lagerstellen auf den Wellen teilweise zu überarbeiten. Also schaffte ich die entsprechenden Wellen und das Zwischenrad zu meinem Freund Matthias und dort mussten einige Stellen etwas ausgedreht werden und bei zwei Wellen musste eine Buchse gedreht werden, damit die neuen Nadellager stramm passen. Schaut euch die Bilder an, da sieht man gut die neuen Lager der Schaltwelle und Kegelritzelwelle, das neu gelagerte Zwischenrad und die Schaltvorgelegewelle und Gruppenvorgelegewelle. Diese Überarbeitung war nicht ganz günstig, aber ich hoffe dass dieses Getriebe es mir mit überragender Laufruhe und sehr guten Schalteigenschaften zurückzahlt.

 

 

 Die überarbeiteten Wellen und das Zwischenrad mit den neuen Nadellagern

 

Auf die Kegelritzelwelle und auf die Vorgelegewelle mussten für die Nadellager Hülsen geschrumpft werden

In der Zwischenzeit habe ich das Ausgleichgetriebe komplett auseinander genommen, geprüft und gereinigt und mit dem passenden Tellerrad bestückt, welches zur Kegelritzelwelle gehört die ich zur Überarbeitung gegeben hatte. Da das vorher im RT Getriebe verbaute Tellerrad und die Kegelritzelwelle nur demontiert wurden aber nicht wieder in dem überholten Getriebe verbaut werden sollten musste ich ja einen paarigen Satz zusammenstellen und neu verbauen. Die nur demontierten Teile sind ebenfalls im Top Zustand und werden sicherlich bei mir noch einmal woanders verbaut werden! Ich habe da noch ein RT315 Getriebe mit RT Lenkung und allen anderen RT Teilen zu liegen.

 

Tellerad mit zerlegtem und gereinigtem Differenzial

Im November war es dann endlich soweit. Ich hatte alle alten Lager ausgebaut, wo wir neue einbauen wollten z.B. die Achstrichter und Ausgleichwellentrichter. Des Weiteren hatte ich alle benötigten Lager, Simmerringe usw. beisammen, die neuen Schalt und Vorgelegeräder gereinigt und bereitgelegt, die überarbeiteten Wellen waren auch wieder zurück und wir begannen am 07.11.2009 das RT Getriebe zu „bestücken“. Da man sowas ja auch nicht jede Woche macht und die Demontage schon wieder ein halbes Jahr her war mussten wir erst einmal einen Plan machen wie wir vorgehen. Die „alten“ Wellen lagen ja noch so da wie wir sie demontierten und wir haben uns daran gemacht die „neuen“ Wellen passend zu den alten zu bestücken. Das Einzige was schon mit neuen Lagern versehen war, waren die Gruppenvorgelegewelle, die Schaltwelle und das Zwischenrad wo bereits die größeren und besseren Nadellager drin waren.  Also nahmen wir uns die gebrauchten Wellen als Vorlage und fingen an. Ich hatte mir zwischenzeitlich eine Kochplatte besorgt mit der wir die Lager, oder halt die Lagersitze z.B. in den Achstrichtern erwärmen konnten und die Montage verlief damit sehr einfach und ohne Gewaltanwendung. Dadurch dass die Lager ohne schlagen und hämmern auf die Wellen gingen bzw. die Lager einfach in die Lagersitze gelegt werden konnten war eine Beschädigung fast ausgeschlossen. Man muss natürlich aufpassen, dass man die Sachen nicht zu heiß erwärmt aber ich kann diese Art der Montage nur empfehlen. Nachteil war nur, dass man immer wieder warten musste bis die gerade bearbeiteten Teile abgekühlt waren. Aber in dieser Zeit haben wir dann schon wieder andere Teile bearbeitet.

Hier sieht man die Kochplatte im Einsatz, damit haben wir sehr viel erwärmt und die Lager lassen sich einfach verarbeiten

Was noch ganz besonders zu beachten ist, ist die Montage der Schrägrollenlager auf dem Ausgleichgetriebe. Hier empfehle ich unbedingt die Nutmuttern auf dem Ausgleichgetriebe, mit denen man ja das Flankenspiel einstellt, ganz zurück zu schrauben bevor man die Lager erwärmt und drauflegt. Dann kann man die Lager mit einem Schlüssel und den Nutmuttern vom Ausgleichgetriebe wegschieben und so das Flankenspiel einstellen und auch das Ausgleichgetriebe stramm in die Ausgleichwellentrichter drücken, damit es hier ruhig und sicher in den Schrägrollenlagern laufen kann. Ich hoffe es ist verständlich was ich damit sagen will?!

Die Nutmuttern sollten vor der Lagermontage ganz zurück geschraubt werden

Als erste Welle wurde die Schaltwelle der Zapfwellen ganz unten eingebaut. Danach folgten die Gruppenvorgelegewelle und die Kegelritzelwelle. Die Gruppenvorgelegewelle konnte auch gleich mit der Sicherungsschraube, die sich ja außen am Getriebe befindet in ihrem Sitz befestigt werden, die Kegelritzelwelle haben wir „nur“ eingebaut und vom hinten Teil des Getriebes durch die Öffnung nach vorn geschoben und das Zwischenrad und Gruppenschaltrad aufgefädelt. Die Kegelritzelwelle konnten wir noch nicht befestigen, da es ja erst noch mittels der Einstelllagerbuchse passend zum Tellerrad eingestellt werden musste. Darauf folgten dann die Schaltvorgelegewelle und die Schaltwelle. Wobei man sagen muss, das Vorbereiten der Wellen und hier ist die Bestückung mit den neuen Lagern und das Auffädeln der Zahnräder und Seegeringe zu nennen länger dauert als das eigentliche einbauen. Als wir alle Wellen an ihrem Platz montiert hatten, machten wir uns daran die Kegelritzelwelle und das Tellerrad einzustellen. Das Zahnflankenspiel soll ja nur 0,4mm betragen und das ist ja wirklich minimal.

Einbau der Getriebewellen

Auf diesem Bild sind nun wieder alle Getriebewellen an ihrem Platz

Nachdem die Wellen im vorderen Teil des Getriebes wieder montiert waren, machten wir uns an die Arbeit die Ausgleichwellen und das Differenzial zu montieren. Da ich hier nicht alle Bilder einstellen kann, verweise ich noch einmal auf die Bildergalerie zum Famulus 40! Darauf folgten dann die neuen Steckachsen mit den Achstrichtern und den großen Vorgelegerädern. Die Getriebelager sind ja bis auf eine Ausnahme relativ günstig zu bekommen, nur die Tonnenlager außen in den Achstrichtern sind ziemlich teuer. Zum Glück habe ich noch zwei Stück zum guten Preis kaufen können. Das vorbereiten der Ausgleichwellen und Steckachsen ging recht schnell und ohne größere Probleme und so konnten wir diese Arbeiten schnell erledigen.

Einbau des Diffenzials mit den Ausgleichwellen und der Steckachsen mit den Vorgelegeräd

Die Arbeiten am Getriebe gingen uns gut von der Hand und so konnten wir das Getriebe an einem Wochenende komplett bestücken. Was nun noch fehlte waren die Handbremswelle und die gesamte Zapfwellenschaltung. Da ja die Famulusgetriebe oft an den Aludeckeln der Zapfwellen lecken, haben wir uns entschieden die O-Ringe in den Aludeckeln durch Simmerringe zu ersetzen. Dazu habe ich die Aludeckel gereinigt und zu unserem Dreher gebracht. Ich hoffe das nun auch diese Stellen im heißen Sommer dicht sind und kein Getriebeöl mehr austreten wird. In der Zwischenzeit habe ich mir die Schaltkulisse vorgenommen und gereinigt. Den Gang- und den Gruppenhebel demontiert und alles schon sauber mit Bremsenreiniger und einem Drahtaufsatz und einer Flex abgeschliffen. Ich denke das sieht schon sehr gut aus was man mit diesen einfachen Mitteln so erzielen kann. Die Schaltgabeln sehen noch sehr gut aus und dort haben wir nichts weiter dran gemacht.

 

Famulus Schaltkulisse im Bild

Demontage des RT Lenkgetriebes

Am 06.12.2009 habe ich dann begonnen die ausgebaute RT Spindellenkung fachgerecht in ihre Einzelteile zu zerlegen. Zuerst muss man den Hackenspringring oben in der Mutter entfernen, da man sonst das Gewinde zerstören kann. Danach muss die große Mutter entfernt werden und man kann die Lenkspindel einfach aus der Lenkmutter herausdrehen. Als nächstes haben wir die Bremspedale und das Kupplungspedal von der Pedalwelle heruntergezogen.

 Herausdrehen der Lenkspindel und ablassen des Getriebeöls

Als nächstes wurden die vier Muttern von den Stehbolzen entfernt und der Deckel heruntergenommen werden. Jetzt ist das Lenkgehäuse frei und kann vorsichtig nach oben abgenommen werden. Dabei wird der Führungskopf mit Lenkmutter frei und rutsch aus seiner Führung. Nun müssen die Sicherungsringe von den Lenkbolzen am Führungskopf mit einer entsprechenden Zange abgenommen und die Lenkbolzen können aus dem Führungskopf herausgezogen werden. Jetzt kann der Führungskopf herausgenommen werden.

Demontage des Lenkgehäuses - danach ist der Führungskopf frei und kann entfernt werden nachdem die Bolzen raus sind

Der demontierte Führungskopf, rechts können nun die Lenkstockhebel ausgebaut werden

Als nächstes kommt ein wichtiger Schritt, ihr solltet euch die Position der Lenkstockhebel zu  den Lenkarmen kennzeichnen, oder ein Foto machen bevor ihr die Schrauben an den Lenkarmen löst. Stimmt bei der Montage später diese Position nicht, dann wird der RT nicht mehr richtig lenken bzw. die Spur ist nicht mehr einstellbar. Ist die Position gekennzeichnet und die Schrauben gelöst, dann können die Lenkstockhebel aus dem Kupplungsgehäuse gezogen werden. Jetzt kommt ihr an die Simmerringe heran und könnt diese wechseln.

ein komplett demontiertes RT Lenkgetriebe

Um die Pedalwelle ausbauen zu können muss mindestens eine Passfeder entfernt werden, die sich unter dem linken Bremspedal bzw. auf der linken Seite unter Bremszwischenhebel befinden. Dann kann die Welle  einfach heraus gezogen werden um auch hier die Wellendichtringe zu ersetzten.Nachdem alle Teile von der RT Spindellenkung entfernt wurden habe ich dabei gemacht das restliche Öl im Lenkgetriebegehäuse mit einem Lappen heraus zu wischen und das ganze Gehäuse richtig von innen zu reinigen. Die äußerliche Reinigung mit einer Flex und Drahtaufsatz folgt dann noch.

Überholung des RT Lenkgetriebes

Nachdem nun alles soweit gereinigt war haben wir eine neue Hohlwelle und eine neue Nebenantriebswelle rausgesucht und begonnen das Lenkgetriebe wieder zu befüllen. Als erstes wurde der Simmerring auf der Innenseite des Lenkgetriebes eingesetzt, der die Hohlwelle gegen das Getriebeöl abdichtet. Dann folgte der Simmerring welche vorn Richtung Getriebe im Lenkgetriebe sitzt. Dann wurde auf die Hohlwelle ein neues Lager aufgesetzt, eingefettet und sie durch die beiden Simmerringe in das Lenkgetriebe geschoben. Dann haben wir das Lenkgetriebe auf die Hohlwelle gestellt, so dass diese nicht wieder nach hinten herausgedrückt werden konnte. Jetzt folgte das Lager, welches vorn zwischen den beiden Wellendichtringen sitzt, und wir haben es vorsichtig auf die Hohlwelle und gleichzeitig in den Lagersitz getrieben. Daraufhin wurde der Sicherungsring aufgelegt und befestig und das Lager schön eingefettet, bevor der letzte Simmerring außen eingebaut wurde.

Im Bild die neue Hohlwelle, neue Nebenantriebswelle und ein paar Simmerringe 

Daraufhin wurde die Nebenantriebswelle in die Hohlwelle geschoben und das Kugellager hinten in der Hohlwelle eingesetzt und auch schön eingefettet. Eigentlich wollten wir dann diesen Tag mit den Arbeiten aufhören, haben dann aber doch noch zu zweit das Lenkgetriebe an das Getriebe angeflanscht. Dazu musste zuerst die Welle mit der Narbenkupplung nach hinten Richtung Steckachsen getrieben werden und die Kupplungsglocke auf die Nabenkupplung aufgesetzt werden. Dann haben wir zwischen Getriebe und Kupplungsgehäuse Dichtmasse verteilt und zu zweit das Kupplungsgehäuse angehoben und die Hohlwelle in das Getriebe eingeführt und schnell das Kupplungsgehäuse mit den Muttern gesichert. Somit haben wir ein sehr gutes Tagesziel erreicht. Nun ist die Arbeitshöhe auch viel angenehmer und wir können nun das Kupplungsgehäuse schon abschleifen und dann die neuen Simmerringe der Pedalwelle und der Lenkstockhebel einbauen und beides wieder montieren.

 Die Hohlwelle ist neu gelagert und alle Simmerringe sitzen an ihrem Platz

 Das Lenkgetriebe ist wieder fest mit dem Getriebe verbunden

Danach haben wir alle Anbauteile wie Brems- und Kupplungspedal, Lenkarme und Lenkschubstangen, Gehäuse der Lenkspindel und die Lenkspindel  vom Lenkgetriebe abgeschliffen und mit Rostschutzfarbe versehen. Zwischenzeitlich wurden der Hydraulikbock und die Schaltkulisse auf dem Getriebe Montiert. Das Kupplungspedal hat eine neue Buchse bekommen und auch die Pedalwelle wurde aufgeschweißt und neu abgedreht, damit auch hier die "Landluft" verschwindet. Die Buchsen der Lenkarme im Lenkgetriebe haben kein nachweisliches Spiel und wurden unverändert übernommen. Das liegt an der Ölbadlenkung, die sich als sehr wartungsfrei herausstellt. Die Nadellager im Lenkgetriebe wurden dennoch erneuert, da wir ja gerade alles auseinander hatten.

Links das abgeschliffene und wieder montierte Lenkgetriebe, rechts ist bereits Rostschutz aufgetragen 

Danach wurden wieder viele Kleinteile von mir gereinigt, abgeschliffen und mit Rostschutz versehen. Dazu zählen der Tank, Tankhalter, Luftkessel samt Halter, Bremsventilhalter, Halter vom Luftventil hinten am Getriebe wo auch die Luftkupplung drauf sitzt, Hydraulikzylinderhalter, Hydraulikzylinder, Batteriebleche, Winkel vom Radkastenhalter zum Wetterdach, die Radkastenhalter, die Fußbodenbleche, die Deckel vom Getriebe, die ausgedrehten Bremstrommeln und die Abdeckbleche der Fahrbremsen, die Unterlenker, die Handbremse, Bremsgestänge, Handgashebel, Schalt- und Gruppenhebel usw. usw. Es war ne Menge Arbeit, von der man später rein gar nichts mehr sieht.

Dank des Hinweises vom Karsten habe ich mich beim RT dazu entschieden in den Aludeckeln der Zapfwellenschalter anstatt der ewig tropfenden O-Ringe nun Simmerringe zu verbauen. Dazu wurden die Aludeckel zum Dreher geschafft und gleichzeitig die Maße der zu verbauenden Simmerringe mitgeteilt. Das hast der Dreher sehr gut hinbekommen. Ich hoffe nun ist auch im Hochsommer alles dicht.

Aludeckel mit Simmerringen

Als nächstes wurde die Fahrbremse montiert. Die Trommeln waren doch schon ganz schön eingelaufen und wurden neu ausgedreht. Die Bremsbeläge sind noch wie neu und wurden nur gereinigt. Diese Arbeiten verliefen recht gut und wir kamen gut voran. Als nächstes wurde der GR-Motor an die Kupplungsglocke angeflanscht. Wie immer zog sich dieses doch ein wenig hin und dann mit mal war er drin.

 Generalüberholter wassergekühlter Famulus Motor mit Rostschutzfarbe

Um jetzt die Radkastenhalter in der passenden Position montieren zu können mussten wir die Kotflügel mit anbauen und konnten so die Halter vernünftig ausrichten. So langsam sieht das ganze wieder nach einem Schlepper aus. Die Kotflügel wurden danach wieder demontiert und warten noch auf ihre Behandlung. Als nächstes befassten wir uns mit der Hydraulikpumpe und dem Steuerschieber. Beides wurde zerlegt und gereinigt. Die Hydraulikpumpe sah noch sehr gut aus und bekam noch neue Lager und einen neuen Simmerring. Nachdem beides wieder zusammengefügt war wurden die Teile am Fahrgestellt montiert.

Mal so zwischendurch erwähnt: Wer noch Bilder von irgendwelchen Arbeiten braucht kann mir gerne eine Email schicken, dann schaue ich ob ich was passendes habe.

Nun kam das nächste, größere Bauteil in die Werkstatt - die Vorderachse mit Vorderwagen. Wie schon erwähnt sind die Buchsen, der Herzbolzen und auch die Aufnahmen des Vorderwagens selber beschädigt. Neue Buchsen für die Achse habe ich noch zu liegen, diese gehen auch noch stramm in den Achskörper rein. Der Herzbolzen wurde aufgeschweißt und passend abgedreht. Viel schwieriger war der Vorderwagen, der Dreher schaute nicht schlecht als das Ding vor seinen Füßen lag mit der Bitte um Bearbeitung. Aber auch diese Herausforderung hat er wie ich finde sehr gut gelöst und Buchsen in den Vorderwagen eingesetzt. Zwischenzeitlich hatte ich die Achse komplett zerlegt, vom Dreck befreit und schön blank abgeschliffen. Bei der Demontage der Achsschenkel bitte unbedingt auf die Kugeln achten! Die müssten sonst neu aus einem Lager 6208 genommen werden (so steht es auch in der ETL!). Oft sind die Buchsen in der Achse sehr luftig, da hatte ich dank ausreichender Schmierung keine Probleme und konnte diese weiter nutzen. Eventuell ist die Achse auch mal zu GR gewesen, da sie mein Bekannter als Ersatzteil hütete. Ich habe danach gefragt, aber er konnte mir keine genaue Aussage geben.

Famulus Achse vor und nach der Schleifkur

Montagearbeiten an der Famulus Vorderachse

Links der überarbeitete Herzbolzen, rechts der Vorderwagen mit eingesetzten Buchsen

 Montierter Famulus Vorderwagen mit Achse

Die Achse hat in der Zwischenzeit noch ihre Radnarben montiert bekommen mit neuen Lagern und wurde mit Rostumwandler und Rostschutz lackiert. Da das Jahr nun schon wieder so weit fortgeschritten ist und auch die Temperaturen in der Werkstatt so langsam Richtung "kalt" gehen stelle ich die Arbeiten für 2010 am RT325 ein und freue mich auf die ersten warmen Tage im neuen Jahr um wieder "angreifen" zu können.

 

 Update folgt - versprochen!