Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.
Famulus 36 - RS14/36L
 
Als ich durch Zufall im Frühjahr 2005 in der Rubrik Nutzfahrzeuge unserer Tageszeitung las „Verkaufe Famulus – Preis Verhandlungsbasis“ wurden all meine Erinnerungen aus der Kindheit auf einmal lebendig und ich verfolgte über einige Wochen mit großem Interesse die Verkaufsszene in diversen Zeitungen. Eines Tages habe ich dann die Suchfunktion eines großen Internetauktionshauses zum Thema Famulus befragt und siehe da, auch im Internet sind diese Relikte des DDR Traktorenbaus zu finden. Da ich zu diesem Zeitpunkt nur schaute und auch nicht viel Geld ausgeben wollte, habe ich mehr oder weniger aus Spaß einfach mal auf einen Famulus geboten. Am Ende der Auktion wurde ich von anderen Bietern überboten. So erging es mir dann ein paar Male. Auch ist mir so ein roter RT325 für recht wenig Geld entgangen.
Eines Tages war ein Traktor bei diesem Internetauktionshauses unter der Beschreibung „VEB Schlepper RS14/46“ zu finden. Da ich mich in der Modellvielfalt damals noch nicht so auskannte und ich immer davon ausgegangen war es gab nur den 36er luftgekühlt und 40er wassergekühlt, musste ich feststellen dass es doch noch andere Modelle gab, die sich nicht nur in der Motorleistung unterscheiden sollten. Eine kurze Internetrecherche ergab dann, dass dieser RS14/46 ein Famulus Schlepper war, der einen wassergekühlten Motor mit 46PS besaß.  

 

Famulus in der Verkaufsanzeige

So sah der Famulus RS14/46 in der Anzeige im Internet aus als ich ihn ersteigert habe.  

Das Besondere an diesem Modell war nicht nur der Motor, bei dem es sich um den leistungsstärksten Famulus Serienmotor handelte, sondern auch das Getriebe mit seinen 8 Vorwärtsgängen war eine Besonderheit. Der Traktor war laut Beschreibung des Verkäufers im Internet leider nicht fahrbereit, allerdings rollfähig und der Verkäufer hatte versucht den Famulus anzuschleppen. Leider ohne Erfolg. Das Einzige was der Schlepper von sich gab, waren ein paar Qualmwolken aus dem Auspuff.   

Eine Rückfrage bei meinem Onkel Kalli zu den Startproblemen ergab, dass es wohl am alten Diesel, dem Dieselfilter, den Einspritzdüsen oder der Pumpe liegen könnte. Mit diesen Informationen habe ich mich dann an die Auktion gemacht und versucht den Famulus zu ersteigern. Denn so schlimm schienen die Probleme ja nicht zu sein. Lange Rede kurzer Sinn, ich habe das Teil dann für 351,00€ ersteigert. By the way, seit dem ist kein Famulus mehr günstiger verkauft worden im Internetauktionshaus eures Vertrauens, jedenfalls nicht ohne dass ich es gesehen hätte. :-)

In der Zwischenzeit musste ich mich um den Transport kümmern. Zum Glück hat mein Nachbar einen großen Pickup, der in der Lage war diesen „Brocken“ auf einem ausgeliehenen Trailer zu ziehen. Am 30.07.2005, es war ein Samstag, haben wir dann den ersteigerten Famulus abgeholt. Als wir ihn bei mir zu Hause hatten dauerte es nicht lange und wir haben uns daran gemacht den Schlepper als erstes zum Laufen zu bringen. Wir dachten uns, wenn der Motor erst einmal läuft können wir eine bessere Bestandsaufnahme machen und die Technik besser prüfen.

Die Tage zwischen der Abholung und dem Beginn der Arbeiten wurden zum Beschaffen von neuen Batterien, Filtern und Diesel genutzt. Das Tauschen des Dieselfilters und Diesels, sowie das Entlüften der Leitungen und Einspritzpumpe ging alles problemlos. Ein vorpumpen der Einspritzpumpe per Hand wurde ebenfalls durchgeführt. Da ich gelernter Elektroinstallateur bin, ging mir die Prüfung und Instandsetzung der E-Anlage leicht von der Hand. Nun waren alle Voraussetzungen zum ersten Startversuch unsererseits erfüllt. Leider waren die Batterien nur etwas vorgeladen und wir mussten den Startversuch abbrechen. Ein paar Tage später dann ein neuer Versuch mit vollen Batterien. Wir haben schön vorgeglüht und der Starter zog gut durch - anspringen wollte der Motor aber nicht. Nach mehreren Versuchen haben wir erneut abgebrochen.

Zum Glück fuhr gerade mein Kumpel Manni mit seinem MTS vorbei und ich habe ihn gefragt, ob er den Famulus nicht anschleppen kann. Gesagt getan und ich habe eine Abschleppstange geholt und Manni hat den Famulus vorn aufs Maul genommen. Kalli musste den Piloten spielen. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist war der Umstand, dass der Famulus bereits nach 2 Metern Qualmwolken von sich gab. Nach 50m waren erste Zündungen zu vernehmen. Nach einem kurzen Zeichen von mir hat Manni das Gaspedal des MTS50 weiter Richtung Bodenblech getreten und der MTS gab sein Bestes. Mit einem Schlag ist der alte Famulus angesprungen. Ein herrliches Gefühl! Manni hat den MTS angehalten und Kalli auf dem Fahrersitz und ich neben dem Famulus haben eine ordentliche Ladung Rost aus dem Auspuff abbekommen.

Zum ersten Mal seit 10 Jahren lief bei uns im Ort wieder ein Famulus. Wir haben gleich eine Probefahrt gemacht und soweit fuhr der Famulus ersteinmal. Mehr war von außen an dem Abend nicht zusehen. Ich musste mich auch gleich noch um einige Fehlteile kümmern. Es fehlten der Ansaugkrümmer sowie ein Ölbadfilter. Auch wollte ich die originale Blech Anhängerkupplung bei mir anbauen. Den Ölbadfilter hatte mein Kalli noch zu liegen. Die Blechkupplung konnte ich bei einem Bekannten gegen die bei mir verbaute Anhängerkupplung eintauschen. Der Ansaugkrümmer dageben gestaltete sich schwieriger. Ich habe in der ganzen Ostrepublik rumtelefoniert und durch Zufall einen Kontakt in Thüringen bekommen. Dort habe ich angerufen und der älter Herr hat mir einen nagel neuen Ansaugkrümmer verkauft und zugeschickt.

 

Unser Famulus im Novermber 2005 in der Garage

 

Unser Famulus im Novermber 2005 vor der Garage und vor der Werkstatt

Unser Famulus im Novermber 2005 während der Demontage

Unser Famulus im Dezember 2005 während der Demontage

Die Lenkung war uns gleich negativ aufgefallen, diese hatte recht viel Spiel in den Lenksegmenten und dem Lenkritzel und noch viel mehr Spiel in den Lenkstockhebeln und Buchsen. Man konnte an den Lenkstockhebeln regelrecht wackeln. Auch der Motor war wohl am Ende seines langen und arbeitsreichen Lebens angekommen. Dies äußerte sich in einer ständigen blauen Fahne aus dem Auspuff und das Öldruckmanometer zeigte im warmen Zustand kaum noch was an. Des Weiteren mussten wir feststellen dass der Motor Druck auf dem Kühlsystem hatte und in den Pleullagern ganz viel Luft war. Kurzum ein Totalschaden. Auch die Reifen rundum waren porös und ohne Profil. Die hinteren Kotflügel vergammelt und der Hydraulikbock schon mal geschweißt worden, da er auf beiden Seiten gerissen war. Der Hydraulikbock musste also auch getauscht werden. Danach haben wir das Getriebe geöffnet. Die nächsten Hiobsbotschaften ließen nicht lange auf sich warten. Die Lager im Getriebe hatten alle Spiel, das Nadellager in der Vorgelegewelle war nicht mehr vorhanden. Das Tellerrad und Kegelritzel waren stark angegriffen und es fehlten auch Zähne! Für alle die mal einen Famulus oder anderen Schlepper restauriert haben wird wohl klar sein, dass auch das Getriebe im Grunde genommen als defekt zu bezeichnen ist.

 

defektes Innenleben!

geöffnetes Famulusgetriebe mit defektem Tellerrad / Kegelritzel

Da waren sie wieder meine drei Probleme. Schlechte Technik, kaum Ersatzteile und keine Ahnung wie es weiter gehen soll. Aber jammern bringt uns an der Stelle auch nicht weiter. Da kam mir die Anzeige in unserer Tageszeitung gerade recht. "Verkaufe Famulus im schlechten Allgemeinzustand mit einem zu DDR Zeiten überholten Getriebe" Ich habe da am gleichen Tag noch angerufen und einen Besichtigungstermin abgemacht. Der Famulus sah wirklich schlecht aus - hatte keine Motorhabe drauf und war ziemlich rostig. Aber mir ging es ja nur im das Getriebe, welches ja überholt worden sein soll. Außerdem waren noch einige Ersatzteile dabei und ein RS04/30 Ersatzteilspender, den wollte ich eigentlich gar nicht haben, musste ihn aber letztendlich mitnehmen da ich den Famulus samt Teilen sonst nicht bekommen hätte.

 

Famulus Erstatzteilspender im Ankaufzustand

Der Famulusersatzteilspender war fahrtüchtig, auch wenn er nicht so aussah. Wir haben ihn beim Verkäufer angeschleppt mit einem Deutz D40 und ich konnte eine Probefahrt machen. Das Getriebe lief gut und ließ sich gut schalten. Auch der Motor machte einen guten Eindruck, er lief gleich rauchfrei und hatte einen ganz guten Klang. Den habe ich mir erst einmal bei Seite gestellt.

 

Famulus Erstatzteilspender während der Demontage im Mai 2006

 

Famulus Erstatzteilspender während der Demontage im Mai 2006

Das Getriebe des Ersatzteilspenders war wirklich im guten Zustand. Was ich an der Stelle noch erwähnen möchte, bei diesem Getriebe handelte es sich laut Kennzeichnung um ein Getriebe der RT Reihe. Auf dem Getriebe sind die Bezeichnungen RT315/325 eingeschlagen und die Fahrgestellnummer ist mit 55556 auch auf RT Niveau. Das Getriebe hat bereits die lange Steckachse auf der rechten Seite verbaut und die stabilere Aufnahme im Bereich der vorderen Zapfwelle. Wir haben das Getriebe ordentlich von innen und außen gereinigt. Die Lager waren alle spielfrei und die Zahnräder sahen und sehen sehr gut aus. Die Steckachsen haben trotzdem neue Lager bekommen. Es wurden alle Dichtungen und Simmerringe gewechselt und mein Kumpel Dirk musste mir neues Getriebeöl besorgen. Zum Glück habe ich jemanden aus der Ölbranche, macht viele Sachen einfacher und auch billiger. Dieses Getriebe sollte nun der Grundstein meines Famulus werden.

 

Famulus Erstatzteilspender mit Rostschutzfarbe und neuen Dichtungen

Das Lenkgehäuse wurde auch von uns überarbeitet. Es wurde komplett in seine Einzelteile zerlegt und bekam neue Lenksegmente, neue Lenkarme mit neuen Buchsen und ein neues Lenkritzel. Die Lenksäule samt Lenkrad waren noch OK und wurden so übernommen. Man kann den Zustand der Lenkung jetzt überhaupt nicht mehr mit dem Zustand vorher vergleichen. Die Lenkung schlägt beim Fahren gar nicht mehr, was bei der alten Ausführung schon was zu bedeuten hat. Traumzustand würde ich behaupten.

<span style="line-heigh

 

Das Getriebe samt Lenkgehäuse waren ja nur ein Teil der Überholung. Auch die Anbauteile an Getriebe und Lenkgehäuse wurden gereinigt, überarbeitet und lackiert. Die hinteren Kotflügel musste ich mir ja neu besorgen und sind jetzt übrigens aus GFK! Nie mehr Probleme mit Rost und super stabil. Kann ich nur empfehlen. Die Auf- und Anbauten des Getriebes wie Hydraulikpumpe, Hydraulikbock und die Getriebedeckel mit Sitzschale wurden gereinigt, lackiert und montiert. Auch die Motorhaube, die hinteren Kotfügel, die Vorderachse mit Bock und die Felgen wurden überarbeitet und anschließend lackiert. Leider habe ich von diesen Arbeiten keine Bilder. Das Herz dieses Famulus (ich meine den Motor) war technisch gesehen, wie bereits erwähnt ebenfalls am Ende auch wenn es noch schlug. Den Motor des Ersatzteilspenders wollte ich nicht verbauen, da ich viel lieber was "Neues" haben wollte und der neue Motor bis ins kleinste Detail geprüft sein sollte vor dem Einbau. Und was ist da besser als ein Neuaufbau? In einer Verkaufsanzeige im Internet habe ich damals gesehen, dass ein Verkäufer aus dem Raum Werdau ein zu DDR Zeiten überholtes Kurbelwellengehäuse mit geschliffener Kurbelwelle und neuen Haupt- und Pleullagern verkaufen wollte. Der Motorblock war bereits einer der letzten Serie mit dem Öleinfüllstutzen auf der linken vorderen Seite und war für die Aufbauten der Luftkühlung vorgesehen. Sprich es waren schon alle Gewinde und Aufnahmen vorhanden. Da haben wir uns entschieden aus diesem Motorblock samt Kurbelwelle und Pleul einen Luftgekühlten Motor auzubauen. Mein Freund Reik hatte sich den Motorblock damals angesehen und dann aus Werdau abgeholt und bei sich zwischengelagert.

  Famulus Motorblock im Ankaufzustand

Ich hatte mir zeitgleich neue Übermaßkolben, neue Zylinderköpfe und geschliffene Buchsen besorgt für einen luftgekühlten Motor. Leider waren es "nur" Direkteinspritzer Motorteile, da ich keine neuen Vorkammer Motorteile bekommen habe. Sie sind regelrecht Goldstaub. Tja mittlerweile gibt es ja Vorkammernachbaukolben im Übermaaß, aber neue Vorkammerzylinderköpfe habe ich noch keine gesehen. Und ob diese Nachbauteile an die Qualität der DDR Originalteile rankommen möchte ich auch ganz stark bezweifeln. Aber zurück zu meinen besorgten Ersatzteilen. Diese Direkteinspritzerneuteile zusammen mit dem überholten Kurbelwellengehäuse, den gereinigten Blechteilen und dem neugemachten und neu gelagerten Gebläselüfter sollten den Grundstein bilden für einen neuen Famulus Motor. Um mit der Motorüberholung bei mir in der Werkstatt fortfahren zu können, musste ich Reik die neuen Kolben zuschicken, da bei ihm ja noch das Kurbelwellengehäuse stand und er die Kolben auf die Pleul auswinkeln musste in der entsprechenden Vorrichtung. Diese Vorrichtung hatte eine befreundete Werkstatt von Reik. Ich habe mich in der Zwischenzeit um alles weitere gekümmert. Dazu zählten die Besorgungen von Dichtmasse, neuen Keilriemen und Motoröl, sowie alle Kleinteile für den Motorneuaufbau bereitlegen und reinigen. Ich kann euch sagen, es sind einige Kleinteile die da zusammen kommen und ohne ein Reparaturhandbuch und eine Ersatzteilliste wäre ich wohl nie soweit gekommen oder hätte etwas vergessen.

 

Neuteile für den luftgekühlten Motor

Ich bitte zu beachten, dass dies keine Aufbauanleitung sein soll, sondern nur eine Zusammenfassung meiner Motorüberholung. Es kann gut sein dass ich einige Arbeitsschritte in der Auflistung vergessen habe. Zumal schon einige Zeit ins Land gegangen ist und ich nun alles aus meinem Gedächtnis aufschreibe. Auch habe ich nicht von allen Arbeiten Bilder gemacht. Leider. Aber zurück zum Motoraufbau.

An einem nasskalten Morgen war es dann soweit. Reik war zu mir gereist und hatte im Gepäck das Kurbelwellengehäuse mit den ausgewinkelten Kolben. Unser Ziel an diesem Tag war der Zusammenbau des luftgekühlten Motors mit anschließendem Probelauf. Ein wie ich heute immer denke sportliches Ziel. Aber lest doch selber. Was ich an der Stelle vorab erwähnen möchte, bei solch einem Motoraufbau ist auf größte Sauberkeit zu achten!!! Reik hatte den Motorblock bei sich bereits gereinigt und mit Rostschutz versehen. Für mich war es der erste Motoraufbau und für Reik, der schon viele S4000, W50 und ZT Motore aufgebaut hat, der erste Zweizylinder Motor mit Luftkühlung. Und so legten wir dann los. Wir mussten zuerst die Nockenwelle mit dem Pilzstößeln einbauen. Danach wurden die Motorölpumpe verbaut und die Welle für den Antrieb der Einspritzpumpe montiert. Im darauffolgenden Schritt wurden die Steuerräder eingerichtet und wir konnten den Abschlußdeckel der Pilzstößel mit Dichtung einsetzen.

 Links sieht man den Motor auf unserem Tischchen, rechts sind die Steuerräder bereits eingerichtet.

Danach wurden die Kolben mit den Pleul mittels Kolbenringzange in die Zylinder gesteckt und dann auf das Kurbelwellengehäuse gesetzt. Wichtig bei diesem Schritt ist der richtige Sitz der Dichtung am Zylinder im Bericht des Kurbelwellengehäuses. Es handelt sich bei dieser Dichtung um einen O-Ring. Auch muss man in diesem Arbeitsschritt die Beilagscheiben unter die Zylinder legen, da mit diesen Beilagscheiben das Kolbenrückstandsmaß bestimmt wird. Das Messen dieses Maßes ist auch nur mit einer selbstgebauten Vorrichtung möglich gewesen, da die Zylinder ja sonst nicht 100%ig nach unten gedrückt werden und nur lose drauf liegen auf dem Kurbelwellengehäuse. Stimmt dieses Maß später nicht, so kann es passieren dass der Motor die volle Kompression nicht erreicht, oder aber der Kolben im Betrieb zu nah an die Zylinderköpfe und Ventile kommt. Zur Bestimmung des Kolbenrückstandsmaßes muss man auch die entsprechende Messeinrichtung haben. Zum Glück hat Reik so etwas mitgehabt. Da erkennt man den Profi. Wenn das Maß stimmt, dann kann der weitere Aufbau folgen.

 

Links hat Reik den ersten Kolben in die Buchse getrieben, rechts musten wir noch das Kolbenrückstandsmaß bestätigen lassen

Ich hatte ja im Vorfeld alle Anbauteile des luftgekühlten Motors gereinigt und die Blechteile mit Rostschutz versehen. So konnten wir ohne Probleme weiterarbeiten. Bald waren alle Blechteile verbaut und die Schrauben der Kurbelwelle geprüft und auf das vorgeschriebene Drehmoment angezogen. Nun wurden die Zylinderköpfe mit den Stößelstangenrohren und den Stößelstangen darinnen aufgesetzt.

 

Nun sind die ersten Blechteile verbaut

Als nächtes haben wir den Deckel bzw. die Grundplatte der Steuerrädermotorseite angesetzt und dann die Ölwanne mit neuer Dichtung und neuem Simmerring angeschraubt. All diese Arbeitschritte waren ohne größere Probleme von der Hand gegangen.

 

 Es wurden alle Schrauben geprüft und nachgezogen. Rechts ist die Ölwanne bereits angeschraubt

Als wir den Motor soweit zusammen hatten, musste ich ein paar Freunde anrufen damit wir diesen Motor auf den Boden heben konnten. Zum Glück ist so ein Zweizylinder nicht schwer und man kann ihn gut bewegen. Als der Motor dann auf dem Boden stand wurde die gereinigte Schwungmasse angebaut. Auf diese Schwungmasse kam ein neuer Starterkranz. Macht Sinn, da der Starter ja auch neu war. Dazu ein unbenutzter Kupplungsautomat mit neuer Scheibe und Grafitring. Somit war auch diese Baugruppe im Bestzustand. Únd unter uns gesagt, was gebrauchtes baut man da auch nicht mehr ein, denn dazu gibt es noch zu viele Kupplungsneuteile. Was sich dann recht schwierig gestaltete war die "Hochzeit" von Motor und Getriebe. Wir haben wohl eine Stunde gebraucht um den Motor ans Lenkgehäuse anzuflanschen. Die Hohlwelle samt Antriebswelle für die Nebenantriebe wollten beide nicht in die Kupplung bzw. in die Schwungmasse gehen. Das hat viel Zeit und Nerven gekostet, zumal es ja normalerweise recht einfach geht. Als wir den Motor endlich angeflanscht hatten wurde die überholte Einspritzpumpe angebaut und es musste die Zündung eingestellt werden. Zum Glück kannte Reik sich damit auch gut aus. Ich habe parallel den Gebläselüfter und den Auspuff mit Krümmer montiert. Auch der Anlasser mit Batterien und Verkabelung wurden von mir zusammen gefügt. Als die Einspritzpumpe eingestellt war, konnte ich den Ansaugkrümmer montieren und den Gebläsekasten mit dem Luftschachtoberteil schließen. Als nächstes wurde der Vorderachsbock mit Achse an den Motor angeschraubt, damit der Motor aus dem Flaschenzug heraus genommen werden konnte und das Fahrgestell wieder auf eingenen Füßen stand.

 

Endlich ist die "Hochzeit" vollzogen und die Arbeit kann weiter gehen

 

Das Einstellen der überholten Einspritzpumpe ging problemlos

 

Die Ventile wurden noch eingestellt und die Einspritzpumpe per Hand vorgepumpt

 

Was soll ich euch jetzt erzählen, die Uhrzeit war mittlerweile weit nach 24 Uhr. Die Montage war endlich abgeschlossen und alle Vorbereitungen für den ersten Startversuch abgeschlossen. Wenn ich damals eine Videokamera gehabt hätte, dann wäre wohl jetzt ein Film zu sehen. Also muss ich euch die nächsten Minuten erzählen. Die Batterien wurden angeschlossen und ein Öldruckmanometer angeschraubt. Unser Plan sah wie folgt aus, wir wollten den Motor mit dem Anlasser etwas laufen lassen um Öldruck aufzubauen. Gesagt getan und der Anlasser wurde in Gang gesetz nachdem wir die Dekompression rausgenommen hatten. Der Motor drehte sich und Reik beobachtete das Öldruckmanometer. Leider tat sich an der Anzeige von selbigem so richtig gar nichts.

Also mussten wir unseren Plan überarbeiten. Nach einer kurzen Pause für den Anlasser haben wir erneut gestartet und Reik hat per Hand die Einspritzpumpe auf Förderstellung gebracht. Es dauerte nur wenige Sekunden nach dieser Maßnahme und die ersten zaghaften Zündungen ließen die Drehgeschwindigkeit des Anlassers sprunghaft ansteigen. Ich habe dann erneut den Startvorgang unterbrochen um die Batterien und den Anlasser erneut zu schonen. Innerlich freuten wir uns auf den nächsten Versuch. Denn eines war uns klar, jetzt werden wir unser Tagesziel erreichen und der Motor, der heute morgen noch ein Haufen Einzelteile war, wird seinen Dienst antreten! Und so wurde der Glühanlassschalter von mir nochmals auf Stellung II bewegt und der Motor setzte sich erneut in Drehbewegung. Die Zündungen wurden schnell stärker und der Motor lief dann sofort ohne die Unterstützung des Anlassers und dass sofort Rauchfrei. Der Probelauf hatte also begonnen.

An dieser Stelle möchte ich noch mal auf das Öldruckmanometer hinweisen was ja bis dato noch keinen Öldruck angezeigt hatte. Dies änderte sich mit einem Schlag als der Motor auf eine höhe Drehzahl kam als die, die der Anlasser im Stande war zu erbringen. Der Öldruck stieg im Leerlauf auf über 4,5 Bar und bei höheren Drehzahlen auf weit über 7 Bar. Für diesen Motor sind die erreichten Werte viel zu hoch und wir haben den Öldruck etwas weiter runtergestellt. Nun öffnet das Überdruckventil bei ca. 4,5 - 5 Bar und im Leerlauf sind es ca. 3,5 Bar Öldruck, der mit erreichen einer höheren Motoröltemperatur noch auf ca. 2,5 Bar abfällt. Laut Reparaturhandbuch sollen es im Leerlauf 0,6 - 1 Bar sein und bei Volllast ca. 4 Bar. Die Volllasteinstellung haben wir ja hinbekommen, die Einstellung des Leerlaufdruckes ist nicht weiter einstellbar und auch unproblematisch. Es liegt wohl an der neu geschliffenen Kurbelwelle mit den neuen Lagern die den Öldruck nicht entweichen lassen und zu diesem Traumergebnis geführt haben.

Die Uhr war nun schon irgendwas bei halb drei morgens und ich hatte langsam die Befürchtung ein Nachbar hat die Nase voll vom Lärm und kommt sich beschweren, da der Famulus ja immer noch in meiner Garage mit geöffneten Türen lief und wir noch etwas Feineinstellung vornahmen. Als wir dann zufrieden waren mit dem Ergebnis und den Motor abstellten, bekam mich ein Gefühl der Freude. Freude auf die Stunden in denen der Motor zukünftig seinen einmaligen Klang von sich geben darf und der gesamte Famulus zeigen kann was in ihm steckt. Denn mein Famulus soll nicht nur zum anschauen und staubwischen da sein, nein der soll auch arbeiten denn dafür wurde er ja mal gebaut. In der darauffolgenden kurzen Nacht habe ich geschlafen wie ein Stein. Aber schon in den nächsten Tagen ging es weiter.

Ich besorgte von einem Verkäufer die Famulus Druckluftbremsanlage (auch Goldstaub) und gute originale Batteriehalterungen, die nicht so verbastelt waren wie die an meinen beiden Famulus Schleppern. Diese Teile tauschte ich mit dem Verkäufer auf Vertrauensbasis über eine Entfernung von 500 Kilometern per Postversand. Er bekam von mir eine Riemenscheibe für das Famulusmähwerk und die Lüfterwelle samt neuen Lagern. Ich möchte Danke sagen Andreas, so macht die Restaurierung Spass. Was sich auch als etwas schwierig gestaltete war die Besorgung der Keilriemenscheibe des luftgekühlten Motors mit der zusätzlichen Keilnut für den Kompressor.

 

kurzfristig habe ich mich entschlossen die Batteriehalterungen wieder auf Original zurück zubauen

Als wir die Batteriehalterungen doch noch auf die originalen umgebaut haben und die Bremsanlage an meinen Famulus angepasst und schließlich auch angebaut hatten, konnte ich mal wieder etwas lackieren. Wir mussten dazu mal wieder einige Teile abkleben und dann konnte es losgehen. Eigentlich macht man die Lackierung wohl ziemlich zum Schluss, aber da ich hier meinen ersten Famulus restauriere musste man sich erst einmal damit abfinden, dass man einige Arbeiten zwei und drei Mal machen darf. Beim nächsten Famulus mache ich einige Arbeiten von Anfang an anders. Aber diese Erfahrungen muss man erst einmal machen.

 

Der Motor vor der Lackierung

 

 Der Motor nach der Lackierung

Nach dem wir nun den Motor und die anderen Anbautteile lackiert hatten konnte der Aufbau weitergehen. Die Bremsanlage sollte als nächstes an meinem Famulus montiert werden. Den originalen Bremsventilhalter und den originalen Luftkesselhalter der RT Reihe waren ja schon vorher montiert und lackiert worden. Als nächstes mussten die Luftleitungen angepasst und entsprechend gebogen werden. Hierbei hatte ich eine große Hilfe, mein Kumpel Mutze hat mir dabei viel geholfen. Da die RS14 Typen ab Werk ja nie eine Bremsanlage dran hatten mussten wir den Luftkesselhalter mit etwas Abstand zum Getriebe montieren, damit die linke Zugstange der Fahrbremse nicht am Luftkesselhalter schleift. Mit dem richtigen Werkzeug und etwas Geschick bekommt man die Druckluftanlage aber leicht angeschraubt. Einen Kompressor mit eigenem Ölvorrat hatte ich von meinem Onkel Kalli bekommen. Den Kompressorhalter ließ ich in einem benachbarten Metallverabeitungsbetrieb nach altem Vorbild nachbauen. Die V förmige Keilriemenscheibe für den Kompressor hatte ich beim Kauf einer Teilesammlung miterstanden. Zum Glück wie ich heute weiß, da es diese Riemenscheiben so nicht mehr gibt.

 

Der Famulus beim Test der Druckluftanlage

Der Hauptgrund sich für den Anbau der Druckluftbremsanlage zu entscheiden, war für mich der Sicherheitsaspekt beim Anhängerbetrieb. Da ich einen Einachser habe mit einer angegebenen Nutzlast von 3,0 Tonnen und mir auch mal einen HW60 ausleihen kann, möchte ich nicht als unberechenbares Gefährt im Straßen teilnehmen. Wenn so ein Anhänger erst einmal bergab, oder in einer Notlage beginnt zu schieben, sind die Famulusbremsen schnell am Ende ihrer möglichen Bremsleistung angekommen. Da hilft nur ein Anhänger mit Auflaufbremse, oder einer mit Druckluftbremse wie sie sich im Osten der Republick seit Jahrzehnten bewährt haben. Nicht umsonst waren die Famulus Typen RT315 bzw. RT325 ab 1964 bereits ab Werk mit der Anhängerbremsanlage ausgerüstet. Diese Ausrüstung war eine wertvolle Aufwertung der Famulus Traktoren und sollten für viele andere Schlepperhersteller in Ost und West als gutes Vorbild dienen. Eine gute und in meinen Augen auch durchdachte Erweiterung des Zubehörs war seiner Zeit das Wetterdach. Also ich persönlich möchte keinen Famulus ohne Wetterdach oder noch besser ohne den Sturzbügel haben wollen. Aber auch diese Ansicht ist wie so vieles im Leben Geschmackssache. Bei vielen Famulusliebhabern passt der Schlepper mit Dach wohl nicht in seine Garage und so sind einige Wetterdächer im Laufe der Zeit verschollen. Heute suchen sehr viele Besitzer nach diesem Zubehör, teilweise sehr lange oder auch vergebens. Und wenn ab und an mal eines zum Verkauf kommt sind die Preise entsprechend hoch.

 

Aufbau des Wetterdaches auf meinem Famulus RS14/36L

Mein Wetterdach hatte ich von meinem Freund Matthias bekommen. Es war in viele Einzelteile zersägt da es durch eine Deckenlucke musste die später installiert wurde und im Ganzen da nicht mehr durchgepasst hätte. So mussten wir das Wetterdach mit vier Mann an meinen Famulus anpassen und dann wieder zusammenschweißen. Was sich auch etwas schwierig gestaltete war die Montage von neuen Scheiben mit neuen Scheibengummis. Da man sowas ja nicht jeden Tag macht musste mir dabei auch ein Bekannter helfen, der zu DDR Zeiten bei den PKWs die Scheiben eingesetz hatte. Eine neue Dachplane, Seitenteile mit Scheiben und die Seitenlappen im Fußraum runden das Erscheinungsbild ab. Zum Schluß kam dann noch ein neuer Scheibenwischer dran und wurde gleich ausbrobiert. Der "Luftgekühlte" soll nun noch einen Mähbalken bekommen. Liegen habe ich schon einen überholten Balken, der muss nun noch gereinigt und farblich aufbereitet werden. Bevor ich den allerdings anbauen kann muss ich meinen RT325 fertig haben, da derzeit ja noch der Hitchhacken am RS14/36L dran ist und ich so das Mähwerk nicht original anbauen kann. Der Kenner weiß jetzt worauf ich hinaus will. Die Umlenkkonsole mit der Umlenkrolle kann nicht montiert werden, da am Getriebe hinten ja der Hitchhacken dran ist.

  mein Famulus RS14/36L im Sommer nach vielen Stunden Arbeit