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Meine Schlepper
 
Der Famulus - eine (meine) kleine Vorgeschichte…
Ich möchte mich kurz vorstellen und euch erklären, warum es mir gerade der Famulus so angetan hat. Ich bin ein gebürtiger Mecklenburger, selber Baujahr 1978 und schon in früher Kindheit mit dem Famulus in Berührung gekommen. Warum wir damals einen Famulus Schlepper in der Familie hatten? Nun da muss ich etwas weiter ausholen.
 
Mein Onkel Kalli hatte schon in früheren Tagen der DDR einen Schlepper. Dieser Schlepper war ein RS01/40 Pionier und sollte damals bei der Bewirtschaftung des Gemeindelandes eingesetzt werden. Der Pionier war zum Kaufzeitpunkt ein mittlerer Schrotthaufen. Ende der siebziger Jahre wurde er mit Hilfe eines befreundeten Schlossers aus einem Ersatzteilspender und einigen Neuteilen überholt und neu aufgebaut. Das Getriebe stammte seiner Zeit von einem RS01/40 II Typ Harz. Mein Onkel wollte die Hydraulik des Harzers behalten und für den Ackerbau einsetzen. Sein Schlosser riet ihm aber damals davon ab und begründete diesen Rat mit der Anfälligkeit dieser Baugruppe. Als der Pionier dann wieder im Einsatz war wurde ihm schnell klar, dass dieser Schlepper nicht den Anforderungen entsprach, da er keine Heckhydraulik besaß.
 
Als er sich dann über mögliche Alternativen zum Pionier Gedanken machte stellte er bald fest, dass zur damaligen Zeit nur ein RS09 mit Heckhydraulik oder aber ein Famulus in Frage kamen. Ein guter Freund meines Onkels hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen RS09 mit entsprechenden Arbeitsgeräten. Da sie bei Feldarbeiten stets zusammen arbeiteten und der RS09 für Pflegearbeiten entwickelt worden war, sollte der neue Schlepper für Transport und Feldarbeiten wie pflügen und grubbern ausgelegt sein. In diesem Segment gab es in der DDR nur den Famulus Schlepper. Neuere Entwicklungen wie den Belarus oder Zetor konnte man Dank der Mangelwirtschaft nicht käuflich erwerben. Selbst die Famulus Traktoren waren in den achtziger Jahren noch teilweise im täglichen Einsatz und nur über Beziehungen zu beschaffen. Am Rande bemerkt, bei uns im Ort lief noch bis zur Wende 1990 ein RS14/36L als Zugmaschine für die Melker. Aber zurück zu meinem Onkel.
   
Es gab einige Famulus Traktoren die in Mecklenburg damals ausgemustert wurden, so auch in Schönberg (Mecklenburg) auf der ehemaligen LPG. Dort sollten fünf Famulus Traktoren verschrottet werden. Privat führte kein Weg zu einem der fünf Traktoren. Also musste man sich etwas einfallen lassen, um doch noch an eines der Exemplare zukommen. Mein Onkel arbeitete bei einer Gebäudewirtschaft und sprach mit seinem Vorgesetzten über diese Traktoren. Die beiden sahen nur die Möglichkeit einen der Famulus Traktoren als Zugmaschine für den Betrieb beim Kreis Gadebusch zu beantragen und ihn dann bei meinem Onkel „unter zustellen“. Gesagt getan und sie durften sich nach der Zustimmung des Kreises Gadebusch den Famulus Traktor mit dem schlechtesten Allgemeinzustand abholen. Tja so war es damals. Dieser Famulus war ein RS14/30L Baujahr 1959.
 
Einige Arbeitsstunden und nur wenige gefahrene Kilometer später war erst einmal der Motor hin. Ausfallgrund - kein messbarer Öldruck mehr vorhanden. Diagnose Pleuel- und Hauptlager eingelaufen, dazu Kolben und Buchsen verschlissen und Zylinderköpfe im Bereich der Dichtflächen und Ventilschäfte undicht. Es stand also eine Generalüberholung an. Nachdem der Schlepper repariert worden war und ein neues „Herz“ bekommen hatte wurde er Jahr für Jahr auf dem Gemeindeland gefordert. Und hier komme ich langsam ins Spiel. Denn wenn der Famulus angelassen wurde, haben wir als Kinder einfach alles stehen und liegen gelassen um dabei sein zu können. Es gab zu der Zeit für uns nichts Schöneres als mit dem Famulus mit zufahren oder einfach nur dabei zu sein wenn er lief. Was mir dabei besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Fahrten auf dem Kutscherbock des Anhängers, wenn das Gespann unter den Lindenalleen fuhr und der Famulus typische Motorenklang vom Blätterdach reflektiert wurde. Auch an die Pflugstunden auf dem Acker kann ich mich gut entsinnen, wenn der Traktor derart gefordert wurde, dass man in der Dämmerung eine deutliche Flamme am Auspuff erkennen konnte. Leider hat Kalli seinen Famulus RS14/30L 1994 verkauft, da er zu dieser Zeit kein Ackerland mehr nutzen konnte und  Schlepper damals nur in der Garage stand. Nach Kallis eigenen Aussagen wurde dieser Verkauf bereits nach einem Jahr sehr bedauert. Da war der Famulus aber schon wieder weiter verkauft worden. Um so schöner finde ich, dass ich heute mit Kalli einen sehr interessierten Famulusschrauber habe, der mir immer mit viel Rat und Tat zur Seite steht und der sich nach wie vor für den Famulus begeistern kann. 
 
Kallis alter Famulus RS14/30
Kallis alter Famulus RS14/30L 1994 vor dem Verkauf
Und aus all diesen Gründen resultiert wohl heute meine Vorliebe für genau dieses Modell. Glaubt mir, sowas prägt ein Leben lang und es muss ja nicht immer Lanz sein. Da ist es wohl verständlich, dass ich mittlerweile selber zwei dieser Schlepper mein Eigen nennen darf. Da ich mich nicht so recht zwischen Luft- oder Wasserkühlung entscheiden konnte, besorgte ich mir einfach je einen luftgekühlten und einen wassergekühlten Famulus Traktor.
Als stolzer Besitzer von zwei Famulus Schleppern möchte ich euch auf den folgenden Seiten über den Erwerb meiner Traktoren Famulus 36 RS14/36L und Famulus 40 RT325 berichten.
Über die Ernüchterung bei der Bestandsaufnahme in meiner Werkstatt und den verschiedensten Herausforderungen (ich sage bewusst nicht Problemen) währen den Restaurationsarbeiten. Ganz zu schweigen von den zu beschaffenden Ersatzteilen, die man ja leider nicht im Katalog bestellen kann. Und eines möchte ich auch gleich vorweg nehmen, wenn ihr beabsichtigt einen Famulus zu kaufen, auch wenn er noch so gut aussieht und der Verkäufer euch dieses „Schätzen“ schön redet ist eines sicher, in 99% der Fälle müsst ihr wohl von einer komplett Überholung ausgehen. Jedenfalls wenn man es richtig machen möchte.
Die letzten Famulus Traktoren sind 1965 ausgeliefert worden und nun nach den Jahrzehnten oft in einem schlechten Zustand, über Jahre unzureichend oder gar nicht gewartet worden und dieser Mangel macht sich jetzt mit seinem ganzen Umfang bemerkbar. Des Weiteren sind oft die gleichen Baugruppen am Ende ihrer Belastbarkeit angekommen, die Motoren sind meist im schlechten Zustand, die Lager sind defekt, gleiches gilt für die Vorderachsen und hier speziell die Herzbolzen. In den Getrieben ist bei vielen mehr Regenwasser als Öl drin und die Zahnräder sind derart angegriffen… und so weiter und so weiter.
Und wenn er nicht gestorben ist, dann schraubt er noch heute!
Wenn ihr dann nach all den Mühen, nicht unerheblichen Kosten und einigen geleerten Kisten Bier soweit seid, dass ihr euren Famulus wieder der breiten Öffentlichkeit zeigen könnt und wollt, werdet ihr von einem äußerst zuverlässigen Kameraden über Jahre treu begleitet. Dieser Kamerad hat sicherlich seine Macken und zickt auch ab und an mal etwas, aber mit viel Liebe zum Detail und ein paar gekonnten Handgriffen kann "Man" und auch "Frau" vieles an diesen Schleppern selber machen. Wenn man zudem noch gute Freunde hat die einen bei so einem Projekt tatkräftig unterstützen, dann kann ja fast nichts mehr schief gehen.
Mein Dank richtet sich in erster Linie an meinen Kalli! Ohne dich wäre ich wohl nie soweit gekommen. Auch möchte ich meine Freunde Jens und Mutze, sowie meinen Bruder Steffen erwähnen die mir oft mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Zu dem noch mein Motorenschlosser Reik, hab Dank für deine Dienste und mögen die beiden Herzen die wir neu aufgebaut haben in den Famulus Schleppern ewig schlagen. Zu guter letzt noch einen besonderen Dank an Matthias von dem ich einiges erfragen konnte und der mir mit vielen Ersatzteilen ausgeholfen hatte.
Vielen Dank!